Mit Ayurveda den Darm sanieren

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Die altehrwürdige indische Heilkunst Ayurveda sieht die Entgiftung von Körper und Geist als essentiell für ein gesundes, zufriedenes und aktives Leben. Der Darm nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Nur wenn die Verdauung einwandfrei funktioniert und täglich neues Körpergewebe (Rhasa-Datu) entsteht, kann der Mensch körperlich und geistig gesund bleiben.

Der optimale Transport, die Zerlegung der Nahrung in ihre Nährstoffe, deren Weiterleitung an alle Zellen sowie die Ausscheidung der Abfallstoffe werden durch die Lebensenergien oder Doshas – Vata, Pitta und Kapha – beeinflusst, die immer im Gleichgewicht sein sollten, da sie alle Stoffwechselvorgänge im Körper steuern.

Ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Stress können das ausgeglichene Verhältnis der Lebensenergien ungünstig verschieben und beeinträchtigen somit auch die Verdauung. Um die Doshas im Gleichgewicht zu halten, sind neben der richtigen Ernährung auch die Darmsanierung, Sport, Entspannung durch Massagen und Ölgüsse, Meditation und Yoga Kernelemente des Ayurveda.

Das Verdauungsfeuer Agni spielt eine ebenso große Rolle, denn wenn es gestört ist, entsteht Ama. Das sind Schadstoffe, toxische Abfallprodukte, unverdaute Nahrungsbestandteile. Diese müssen den Körper wieder verlassen, weshalb die ayurvedische Medizin verschiedene Ausleitungsverfahren kennt. Im Hinblick auf die Darmreinigung ist das so genannte Shank Prakshalana das Mittel der ersten Wahl.

 

Ayurvedische Darmkuren

Unter dem Namen Pancharkarma werden fünf Handlungen zusammengefasst, die eine umfassende Entgiftung herbeiführen und sowohl den gesamten Körper wie auch die Psyche einschließen. Daneben haben sich in der westlichen Welt auch einige kleinere Ayurveda Kuren für den Darm etabliert, etwa die Frühlingskur. Grundsätzlich sind größere Ayurveda Kuren wie das Pancharkarma immer auf das Individuum nach Beratung abgestimmt, weshalb es hier keine unabdingbar festgelegten Einzelschritte gibt.

Für ayurvedische Darmkuren sollte man sich Zeit nehmen, denn gerade hier kommt das Sprichwort: „In der Ruhe liegt die Kraft“ besonders zum Tragen. Am besten verknüpft man die Darmsanierung und Entgiftung mit Urlaub. Nachher fühlt man sich im wahrsten Sinne des Wortes wie neu geboren. Ideal sind Kuren und Reinigungsrituale, die von erfahrenen Ayurveda-Lehrern oder speziell auf alternative Heilverfahren ausgerichtete Kliniken angeboten werden. Es finden sich aber auch für den Hausgebrauch einige Kuroptionen.

 

Agni und Ama

Agni bedeutet so viel wie Verdauungsfeuer. Das Verdauungsfeuer oder die Verdauungskraft bezieht sich jedoch in der Ayurveda-Lehre nicht allein auf den Darm, sondern gilt als wichtiges Element für alle Stoffwechselprozesse im Körper, auch die psychischen Komponenten sind darin eingeschlossen. So bestimmt Agni z.B. das Erscheinungsbild und den Zustand von Haut und Haaren sowie das mentale Befinden und die Gefühle des Menschen.

Ist Agni gestört oder brennt das Verdauungsfeuer nicht richtig, führt das zur Bildung von Ama. Ama lässt sich gleichsetzen mit krankheitserregenden, giftigen Stoffwechselprodukten und schließt auch unverdaute oder teilweise verdaute Nahrung ein. Ama ist klebrig, schleimig, trüb, kalt, verstopft die Zellen und blockiert die Körperkanäle.

Die indische Heilslehre geht davon aus, dass ein gestörtes Verdauungsfeuer nahezu für alle inneren Erkrankungen verantwortlich ist und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt. Anzeichen von Ama sind z.B. Appetitlosigkeit, Schweregefühl, Antriebslosigkeit, Trägheit, Verdauungsstörungen, Zungenbelag. Falsche Ernährung, mangelnde Bewegung, reichlich Stress, fehlende Entspannung, Übergewicht sind Faktoren, die das Verdauungsfeuer schwächen und für die Bildung von Ama sorgen.

Ama muss also ausgeleitet werden, um Körper und Geist gesund und vital zu erhalten. Dazu bieten sich im Ayurveda verschiedene Methoden und Kuren an. Aber es ist auch wichtig, Ama vorzubeugen mit einer ausgewogenen und individuell angepassten Ernährung, dem gesunden Maß an Bewegung, Entspannungs- und Atemtechniken.

 

Shank Prakshalana

Shank Prakshalana, wörtlich übersetzt: Reinigung der Muschel, kennzeichnet in der Ayurveda-Lehre ein besonderes Ritual der Darmreinigung. Dabei wird der gesamte Darmtrakt vom Magen bis zum Enddarm mit Salzwasser gespült und durch begleitende Yoga- oder Meditationsübungen entspannt. Dieses Ritual, dem sich eine spezielle Diät anschließt, soll die Verdauung und die angrenzenden Organe von Grund auf regenerieren.

Shank Prakshalana zeigt sich als effektive Darmreinigung im Rahmen einer umfangreichen Darmsanierung, kann aber auch bei Lebensmittelunverträglichkeiten, Übersäuerung, chronischen Kopfschmerzen, Migräne, Hautproblemen oder Asthma durchgeführt werden. Nachfolgend wird die große Darmreinigung „Poorna Shank Prakshalana“ im Ablauf beschrieben.

Salzwasser trinken

Am Vortag des Rituals sollte keine feste Nahrung mehr zugeführt werden. Zu Beginn der yogischen Darmreinigung wird ein Glas warmes, leicht gesalzenes Wasser mit einer Salzkonzentration von ca. 0,9 % getrunken. Dann folgen einfache Yoga- oder Meditationsübungen. Diese helfen gezielt dabei, das Wasser durch den Darm zu befördern. In diesem Wechselspiel aus Salzwasser trinken und jeweils fünf weiteren Übungen geht es für einige Runden weiter. Sobald sich der erste Stuhldrang einstellt, wird der Darm nach Beendigung der aktuellen Übungen entleert.

Bis zu 16 Gläser Salzwasser und mehr werden dabei getrunken, bis die Ausscheidungen genauso klar sind wie das getrunkene Wasser. Danach erfolgt als Abschluss die Reinigung des Magens durch das so genannte Kunjal Kriya (herbeigeführtes Erbrechen) sowie die als Neti bezeichnete Spülung der Nase mit Salzwasser, um auch diese Schleimhäute von schädlichen Stoffen zu befreien.

Dieses große Ritual kann bis zu 3 Stunden dauern und ist für Anfänger mitunter anstrengend. Deshalb folgt eine ca. 45-minütige Ruhephase, um die neue Leichtigkeit bewusst zu spüren. Danach wird „Kitchari“ gereicht. Das ist eine spezielle Mahlzeit aus gekochtem Reis, Linsen und geklärter Butter (Ghee), die Magen und Darm jetzt sehr gut aufnehmen. Sie regt die Verdauung an, sättigt und führt Nährstoffe zu. Die große Darmreinigung kann 2 bis 3 Mal jährlich durchgeführt werden.

Getreide und Gemüse in gekochter Form

Milde Schonkost sollte in der Zeit nach dem Reinigungsvorgang zugeführt werden, um den Darm langsam wieder aufzubauen. Zu verzichten ist auf Rohkost, Obst, Milchprodukte, scharfes Gemüse, Fisch, Fleisch, Eier, Süßigkeiten jeglicher Art, Alkohol, Kaffee sowie grünen und schwarzen Tee.

Auch Rauchen ist für den frisch gereinigten Darm nicht unbedingt förderlich. Zu bevorzugen sind Getreide, Bohnen, Linsen und andere Gemüse in gekochter Form. Der Vorteil dieser Ernährung ist eine deutlich bessere Wahrnehmung der Nahrung, die Geschmacksempfindung wird ebenfalls sensibilisiert. Zwischen 10 und 30 Tage kann diese Ernährungsweise fortgeführt werden.

Das kleine Darmreinigungsritual „Laghoo Shank Prakshalana“ ist auch in kürzeren Zeitabständen sinnvoll. Dabei werden nur 6 bis 8 Gläser Salzwasser getrunken und begleitende Übungen durchgeführt. Eine anschließende Ernährung mit Schonkost ist freiwillig.

Mittlerweile haben sich die Salzwasser-Darmspülungen mit unterstützenden Yoga-Übungen auch für zuhause etabliert. So finden sich Anleitungen in Fachliteratur, die relativ unkompliziert durchzuführen sind.

 

Pancharkarma – Die ganzheitliche Entgiftung

Das Pancharkarma ist ein umfassendes medizinisches Ausleitungsverfahren und gliedert sich grob in die fünf Handlungen: Therapeutisches Erbrechen, therapeutisches Abführen, wässrige (reinigende) Einläufe, ölige (kräftigende) Einläufe, das Einbringen von Heilsubstanzen in den Nasen-/Rachenraum.

Vor- und nachbereitende Maßnahmen ergänzen diese Ayurvedakur, die meist in einer speziellen Einrichtung oder Klinik von ausgebildeten Ayurveda-Therapeuten, abgestimmt auf die Konstitution und das aktuelle Beschwerdebild des Patienten, durchgeführt wird.

Krankheitserregende und schädliche Stoffe werden bei dieser Therapie gesammelt und gebündelt, um sie dann konzentriert über die Schleimhäute und den Verdauungsstakt auszuscheiden. Der Prozess der Ausscheidung wird als Shodhana bezeichnet. Bei jeder der Handlungen werden verschiedene Gruppen von krankmachenden Stoffe ausgeleitet, damit die gestörten Lebensenergien wieder in ihr Gleichgewicht finden.

Die wichtige Vorbereitung

Die Vorbereitungsphase beginnt mit einer leichten Diät, die über einen Zeitraum von 3 bis 7 Tagen angelegt ist. Zudem wird der Darm mit verdauungsfördernden Präparaten versorgt. Anschließend werden dem Patienten Fette und Öle oral oder durch Massagen verabreicht.

Unterstützt wird diese Vorbereitungsphase durch verschiedene Wärmebehandlungen und Kräuteranwendungen, die zum Schwitzen führen und so für einen leichteren Abtransport der gelösten Schlacken sorgen. In steigender Dosierung erhält der Patient morgens ausgelassene Butter, als Ghee bezeichnet, welche die fettlöslichen Giftstoffe über die Schleimhäute herauslösen. Auch hier kann zur Unterstützung mit Wärmeanwendungen gearbeitet werden.

Dann beginnen die gezielten Ausleitungen. Durch die Brechtherapie (Vamana) werden Schlacken, die in den schleimbildenden Zellen der Atemwege festsitzen, ausgeschieden. Die abführende Therapie (Virechana) wird oftmals mit Rizinusöl durchgeführt. Sie reinigt den Bereich vom unteren Magen bis zum Dünndarm von reizenden und entzündlichen Stoffen. Darauffolgende Ölmassagen, z.B. mit Sesamöl, wirken einerseits entspannend, können andererseits auch noch fester sitzende Giftstoffe lösen.

Stirnguß und Ölmassagen

Der berühmte Stirnguß beruhigt das vegetative Nervensystem. Durch verschiedene ölige und wässrige Einläufen (Matra- und Anuvasana-Basti) wird der Dickdarm von Schlackenstoffen befreit und gekräftigt. Als letzter Zyklus folgt die Ausscheidung von Schlacken in Kopf, Nacken und Schultern über die Schleimhäute der Nase (Nasya). Ölmassagen in den genannten Bereichen, Inhalationen, die Aufnahme von reinigenden und funktionsverbessenden Substanzen über die Nase und Wärmeanwendungen unterstützen diesen Prozess.

In der Nachbehandlung werden noch bestehende Störungen mit Ayurdeda-Präparaten behandelt, um im Anschluss gezielt die Gesundheit zu fördern. Das geschieht durch eine geeignete leichte Ernährung, die das Verdauungsfeuer wieder zündet und die Einnahme von aufbauenden ayurvedischen Präparaten (Rasayanas).

 

Weitere Ayurveda-Darmreinigungskuren

Angepasst an die westliche Welt finden sich weitere ayurvedisch inspirierte Darmreinigungskuren, die auch zuhause durchführbar sind und in der Regel einen Zeitraum von 3 bis 7 Tagen umfassen. Dazu gehören entlastende Kuren, bei denen nur Flüssigkeit oder wenig feste Nahrung zugeführt wird und bei denen typisch ayurvedische Zubereitungen zum Einsatz kommen, z.B. Ingwerwasser, Peya (dünne Reissuppe), Vilepi (Getreidesuppe), Kitchari. Diese Reinigungskuren gliedern sich in Einleitungstage, Reinigungstage und Aufbautage.

Sehr beliebt ist die Frühlingskur zur Darmreinigung, die im März oder April und bei völliger Gesundheit durchgeführt wird. Abends, vor dem Zubettgehen, werden zwei Esslöffel Rizinusöl eingenommen und mit heißem Wasser bzw. Tee nachgespült. Der Bauch sollte anschließend mit Sesamöl in kreisenden Bewegungen massiert werden. Sehr leichte Kost oder Fasten, bei regelmäßiger Flüssigkeitszufuhr in Form von geeigneten Tees, unterstützen die reinigende Kur. Danach folgen aufbauende Tage, wobei es sich lohnt, die ayurvedischen Ernährungsrichtlinien zu beachten.

 

Ayurvedische Ernährungsrichtlinien

In der ayurvedischen Heilkunde trägt die richtige Ernährungsweise zu einer guten Verdauung bei und hält damit die Lebensenergien im Gleichgewicht.

In der ayurvedischen Heilkunde spielt die richtige Ernährung eine zentrale Rolle für eine gesunde Verdauung und das Gleichgewicht der Lebensenergien. Dabei gilt es, nur bis zur Sättigung zu essen und nicht darüber hinaus.

Ein geregelter Rhythmus mit Frühstück, Mittag- und Abendessen sowie ausreichenden Pausen von zwei bis drei Stunden zwischen den Mahlzeiten gibt der Verdauung Zeit, um optimal zu arbeiten und nicht überlastet zu werden. Schwere und unverdauliche Speisen sollten generell vermieden werden, während in bestimmten Situationen – etwa im Sommer, nach Krankheit oder nach sportlicher Betätigung – leichte Kost bevorzugt werden sollte.

Die Ernährung sollte zudem an die individuelle Konstitution sowie an den jeweiligen Energietyp, sei es Vata, Pitta oder Kapha, angepasst sein.

Kalte und rohe Speisen sind nur in Maßen empfehlenswert; stattdessen wird warme oder von innen wärmende Nahrung bevorzugt. Ein weiteres Prinzip der ayurvedischen Ernährung ist die ausgewogene Kombination der sechs Geschmacksrichtungen – süß, sauer, salzig, scharf, bitter und herb – sowie eine Vielfalt an Konsistenzen von hart und fest bis weich und flüssig. Ebenso sollte das Verhältnis von öliger zu trockener Nahrung ausgeglichen sein.

Beim Essen selbst reichen ein bis zwei Gläser Flüssigkeit aus. Wichtig ist zudem eine ruhige und entspannte Atmosphäre während der Mahlzeiten, ohne Zeitdruck oder Ablenkung. Die empfohlene Nahrungsmenge besteht aus einem Drittel fester und einem Drittel flüssiger Nahrung, während das verbleibende Drittel des Magens frei bleiben sollte, um die Verdauung nicht zu beeinträchtigen.

 

Disclaimer: Die Informationen in diesem Artikel ersetzen nicht die professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch einen Arzt. Jegliche Entscheidungen, die auf den präsentierten Informationen basieren, liegen in der Verantwortung des Lesers und sollten stets in Absprache mit einem medizinischen Fachpersonal getroffen werden.