Das Aus von Amalgam 2025: Ein längst überfälliges Verbot

Amalgam, das seit über 150 Jahren als Standardmaterial für Zahnfüllungen verwendet wurde, steht in der EU vor dem endgültigen Aus. Ab dem 1. Januar 2025 ist die Verwendung von Amalgam für neue Füllungen verboten. Nur noch bei medizinisch begründeten Ausnahmefällen soll die Verwendung von Amalgam noch bis Ende 2029 möglich sein.

Dieser Schritt ist Teil eines umfassenden Plans, die Freisetzung von Quecksilber in die Umwelt zu reduzieren. Doch während das Verbot offiziell den Schutz der Umwelt ins Zentrum stellt, bleibt die Diskussion über die gesundheitlichen Risiken von Amalgamfüllungen für die Menschen, die sie seit Jahren tragen, weiterhin aktuell.

 

Was ist der Hintergrund des EU-Beschlusses?

Das Verbot von Amalgam ist eine direkte Umsetzung des Minamata-Übereinkommens von 2017, eines internationalen Vertrags, der den Schutz vor Quecksilberemissionen zum Ziel hat. Dieses Abkommen wurde ins Leben gerufen, um die weltweite Verwendung von Quecksilber drastisch zu reduzieren und die Freisetzung des giftigen Metalls in die Umwelt zu verhindern.

Mit Quecksilber versetzte Produkte wie Zahnamalgam und quecksilberhaltige Lampen stellen derzeit die größten verbleibenden absichtlichen Verwendungen von Quecksilber in der EU dar. Die Herstellung, Einfuhr und Ausfuhr solcher Lampen wird ab 2026 vollständig eingestellt.

In der Vergangenheit kam Quecksilber auch in Batterien, Leuchtstoffröhren und Thermometern zum Einsatz. Durch das Minamata-Übereinkommen und die darauf aufbauenden EU-Beschlüsse soll die Umweltbelastung durch dieses gefährliche Element nachhaltig reduziert werden.

Während der Schutz der Umwelt zweifellos ein wichtiges Ziel ist, stellt sich die Frage, warum die gesundheitlichen Risiken für Menschen, die Amalgam seit Jahrzehnten im Mund tragen, nicht stärker im Fokus stehen. Diese Diskrepanz hat in der öffentlichen Debatte für Kritik gesorgt.

 

Ein Material mit Risiken: Amalgam und Quecksilber

Amalgam besteht zur Hälfte aus Quecksilber, einem hochgiftigen Metall, das als neurotoxisch und umweltschädlich gilt. Hinzu kommen weitere Metalle wie Silber, Kupfer und Zinn. Diese Kombination macht Amalgam robust, langlebig und preisgünstig, aber sie birgt auch erhebliche Gesundheitsrisiken.

Neben Amalgamfüllungen ist der Fischverzehr eine weitere bedeutende Quelle für die Aufnahme von Quecksilber. Doch im Unterschied zu Fisch verbleibt das Quecksilber aus Amalgamfüllungen kontinuierlich im Mund und kann sich über Jahre im Körper anreichern.

 

Wie gelangt Quecksilber aus Amalgam in den Körper?

Amalgamfüllungen geben kontinuierlich geringe Mengen an Quecksilberdampf ab, der über die Atemwege aufgenommen wird. Dieser Prozess wird durch Kauen, Zähneputzen, Zähneknirschen oder den Konsum heißer und saurer Speisen verstärkt. Das freigesetzte Quecksilber kann über den Blutkreislauf ins Gewebe gelangen und sich vor allem in den Nieren, der Leber und dem Gehirn anreichern.

Ältere oder beschädigte Füllungen setzen tendenziell mehr Quecksilber frei. Auch bei der Entfernung von Amalgam kann es ohne Schutzmaßnahmen zu einer erheblichen Freisetzung von Quecksilberdampf kommen.

 

Gesundheitliche Risiken durch Amalgam

Schädigung des Nervensystems

Quecksilber ist ein bekanntes Neurotoxin, das das zentrale Nervensystem schwer schädigen kann. Chronische Belastungen durch Quecksilber werden mit einer Vielzahl von neurologischen Symptomen in Verbindung gebracht, darunter Kopfschmerzen, Schwindel, Gedächtnisprobleme, Konzentrationsstörungen und Schlaflosigkeit. Auch psychische Beschwerden wie Reizbarkeit, Nervosität oder Depressionen sind keine Seltenheit.

Langfristige Quecksilberbelastungen könnten sogar das Risiko für schwere neurologische Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson, Multiple Sklerose oder amyotrophe Lateralsklerose (ALS) erhöhen. Studien weisen darauf hin, dass Quecksilber möglicherweise Entzündungsprozesse im Gehirn fördert, die bei diesen Erkrankungen eine Rolle spielen könnten.

 

Schäden an Organen und Gewebe

Quecksilber wird hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden, was diese Organe besonders anfällig für Belastungen macht. Chronische Quecksilberbelastungen können die Nierenfunktion beeinträchtigen und das Risiko für Erkrankungen wie Niereninsuffizienz erhöhen.

Zudem zeigen Untersuchungen, dass in gut- und bösartigen Tumoren von Organen wie Leber, Nieren und Knochenmark häufig erhöhte Quecksilberwerte festgestellt wurden. Dies deutet darauf hin, dass Quecksilber möglicherweise an der Entstehung solcher Tumoren beteiligt sein könnte.

 

Schwächung des Immunsystems und Candida-Infektionen

Quecksilber hat nachweislich eine toxische Wirkung auf das Immunsystem. Es kann entzündliche Prozesse fördern und die Fähigkeit des Körpers beeinträchtigen, Infektionen abzuwehren. Dadurch könnte auch das Risiko für Autoimmunerkrankungen steigen, bei denen das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Zellen angreift.

Ein weiteres Problem ist die Wirkung von Quecksilber auf die Darmflora. Es schädigt nützliche Darmbakterien, die für ein gesundes Mikrobiom unerlässlich sind, und schafft so ideale Bedingungen für das Wachstum von Hefepilzen wie Candida albicans. Symptome einer Candida-Überbesiedelung können Blähungen, Bauchschmerzen, Heißhunger auf Zucker und Hautprobleme sein. Besonders auffällig ist der Zusammenhang zwischen wiederkehrenden Pilzinfektionen und einer erhöhten Quecksilberbelastung.

 

Gefahr für Schwangere und Kinder

Quecksilber ist besonders gefährlich für ungeborene Kinder und Säuglinge. Es kann die Plazentaschranke überwinden und das sich entwickelnde Nervensystem des Fötus schädigen. Auch über die Muttermilch kann Quecksilber auf Säuglinge übertragen werden. Die EU hat daher bereits 2018 die Verwendung von Amalgam bei Schwangeren, Stillenden und Kindern unter 15 Jahren stark eingeschränkt.

Die langfristigen Auswirkungen auf Kinder, die in ihrer frühen Entwicklung Quecksilber ausgesetzt sind, können Entwicklungsstörungen, Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten umfassen.

 

Allergien und Überempfindlichkeitsreaktionen

Einige Menschen reagieren allergisch oder überempfindlich auf die in Amalgam enthaltenen Metalle. Dies kann sich durch Symptome wie Hautausschläge, entzündete Mundschleimhäute oder metallischen Geschmack äußern. Solche Reaktionen treten häufiger auf, als allgemein angenommen wird, und werden oft nicht direkt mit Amalgam in Verbindung gebracht.

 

Die sichere Entfernung von Amalgamfüllungen

Die Entfernung von Amalgamfüllungen ist ein sensibles Thema und sollte nur unter strengen Schutzmaßnahmen erfolgen, um die Freisetzung von Quecksilberdampf zu minimieren. Zahnärzte, die auf die sichere Entfernung spezialisiert sind, verwenden dabei Schutzmaßnahmen wie Kofferdämme, spezielle Absaugsysteme und Atemschutzmasken. Zudem kann eine begleitende Entgiftungstherapie mit Antioxidantien wie Glutathion oder Vitamin C helfen, die Quecksilberbelastung zu reduzieren.

Einige Fachleute empfehlen die Entfernung nur dann, wenn medizinische Gründe wie eine defekte Füllung oder Spalten zwischen Zahn und Amalgam vorliegen. Die Freisetzung von Quecksilberdampf während der Entfernung kann die Belastung für den Körper erheblich steigern. Deshalb ist es wichtig, dass Zahnärzte strenge Schutzmaßnahmen anwenden.

 

Alternativen zu Amalgam

Die Zahnmedizin bietet heute zahlreiche Alternativen zu Amalgam, darunter:

Kompositfüllungen: Ästhetisch ansprechende, zahnfarbene Kunststofffüllungen.

Glasionomerzement: Besonders für kleinere Füllungen geeignet, aber weniger haltbar.

Keramikfüllungen: Hochwertig und langlebig, jedoch kostenintensiv.

Goldinlays: Sehr robust, aber ebenfalls teuer und weniger verbreitet.

Die Wahl des Füllmaterials hängt von individuellen Faktoren wie Verträglichkeit, Haltbarkeit und den finanziellen Möglichkeiten ab.

 

Disclaimer: Die Informationen in diesem Artikel ersetzen nicht die professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch einen Arzt. Jegliche Entscheidungen, die auf den präsentierten Informationen basieren, liegen in der Verantwortung des Lesers und sollten stets in Absprache mit einem medizinischen Fachpersonal getroffen werden.